Mrz 2 2021

Von Kreuzberg bis Friedrichshain- Solidarität mit der Rigaer94

 

Wir wissen wie es ist, wenn sie kommen, in unsere Räume eindringen, sie mit ihrer Anwesenheit beschmutzen, durchsuchen, uns unsere Sachen wegnehmen. Zweifelsfrei ist es nicht dasselbe, denn wir leben nicht in diesen vier Wänden und doch lieben wir sie.

Es sind Räume, die wir gemeinsam aufbauen, ausstatten, nutzen und teilen. Dort haben die Bullen nichts verloren, denn wir sind voller Hass und jeder Schritt durch eine unserer Türen ist einer zu viel.

Wir sind ihnen ein Dorn im Auge, weil wir uns klar gegen dieses System stellen, für das sie die Handlanger sind.

So geht es auch den Gefährt:innen in der Rigaer 94. Sie kämpfen als Bewohner:innen, Besucher:innen und Unterstützer:innen gemeinsam, leisten kollektiven Widerstand und lassen sich nicht vereinnahmen.

Der Kiez rund um die Rigaer 94 wird mehr und mehr gentrifiziert, die Liebig 34 wurde geräumt, der Dorfplatz dominiert von einem Zaun rund um deren leeren Mauern und es entstehen mehr und mehr schicke Eigentumswohnungen.

Wenn die Rigaer 94 fällt, geht ein wichtiger Ort für unsere Selbstbestimmung und den Widerstand in dieser Stadt verloren.

In Kreuzberg ist dieser Prozess weit vorangeschritten. Die wenigen übrigen Projekte wurden gekauft, wodurch auch wir noch den Luxus einer Existenz in diesem Kiez haben. Jedoch verschwinden all diejenigen Projekte, welche sich das nicht leisten können, nicht kaufen wollen oder deren Eigentümer:innen sich weigern an Projekte zu verkaufen.

Wir mussten in den letzten Jahren zusehen, wie die Ohlauer Schule geräumt wurde, wie der Görli zu einem Hochsicherheitspark gemacht wurde, wie die Meuterei oder der Buchladen Kisch & Co um ihren Verbleib in diesem Kiez kämpfen und mehr und mehr Leute wegziehen mussten, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Das, was hier neu entsteht, gehört nicht zu unserer Vorstellung eines guten Lebens. Coworking-Spaces, Google, Amazon und Start-Ups jeder Couleur machen es schwer in Kreuzberg noch selbstbestimmte Orte zu finden. Orte außerhalb von Konsum und Lohnarbeit.

Gegen den Ausverkauf der Stadt müssen wir aktiv Widerstand leisten und diejenigen unterstützen, die wegen ihrer Kämpfe in den Fokus der Verantwortlichen rücken.

Im letzten Jahr wurden in Berlin mehrere Häuser und Projekte geräumt und die Angriffe gehen weiter. In der Rigaer 94 gibt es keinen Räumungstitel, aber eine politische Kampagne, die den Besitzenden (wer auch immer das ist) den Rücken stärkt. Trotz öffentlichwirksam inszeniertem Mietendeckel und Rückkaufrecht soll diese Stadt zuallererst attraktiv für Investitionen jeder Art bleiben. Um die entstehende Stadt der Reichen zu festigen werden die Viertel „gesäubert“ durch sogenannte kriminalitätsbelastete Orte und ihre Sondereinheiten, durch rassistische Hetze gegen migrantische Bewohner*innen in Neukölln und Kreuzberg und durch Propaganda gegen all jene Angriffe, die sich gegen dieser Entwicklungen richten.

Wir wissen nicht, was sie vorhaben, aber allein die Ankündigung das Haus mit den Bullen zu betreten ohne, dass wir sicher sein können, dass sie es wieder verlassen, ist Grund genug für Alarmbereitschaft, einen Aufruf zur Solidarität und aktive Vorbereitung gegen diesen Angriff.

Selbst wenn sie nicht räumen, nicht bleiben, keine Security im Haus installieren oder es doch tatsächlich anzünden, um ihre Propaganda zu bestätigen, müssen wir uns gegen ihr Eindringen wehren.

Wir solidarisieren uns mit der Rigaer 94 und allen bedrohten und von Repression betroffenen Projekten und fordern dazu auf, aktiv zu werden.

Lasst uns nicht darauf warten, dass sie kommen und uns dann erst eine Reaktion überlegen. Wir können ihren Angriff auf uns vorbereiten. Wir können eine Gegenöffentlichkeit schaffen, die ihnen deutlich zeigt, dass wir ihre Offensive gegen uns nicht einfach hinnehmen.

Haltet euch auf dem Laufenden, seid aufmerksam und solidarisch, organisiert euch und eure Strukturen. Ohne Widerstand werden sie die Rigaer 94 nicht bekommen.

 

One Struggle! One Fight!

 

Anarchistische Bibliothek Kalabal!k


Mrz 2 2021

From Kreuzberg to Friedrichshain- Solidarity with Rigaer94

We know what it is like when they come, invade our spaces, defile them with their presence, search them, steal our things. Undoubtedly it is not the same, because we do not live within these four walls, even so we love them. These are the spaces that we build, equip, use and share together. The cops have no place there, because we are full of hate and every step through our doors is one too many.

We are a thorn in their side, because we clearly oppose this system for which they stand for.

This is also the case for the people living in Rigaer 94, who fight together as residents, visitors and supporters, offer collective resistance and do not allow themselves to be taken in by outside forces.

The neighbourhood around Rigaer 94 is becoming more and more gentrified, Liebig 34 has been evicted, the Dorfplatz is dominated by the fence around it‘s empty walls and more and more chic condominiums are being built.

If Rigaer 94 falls, an important place for our self-determination and resistance in this city will be lost.

In Kreuzberg, this process is already well advanced. The few remaining projects have been bought, which means that until now we still have the luxury of an existence in this neighbourhood. However, all the projects who either cannot afford this, or who do not want to buy their houses or whose owners refuse to sell to the projects, are disappearing.

In the last few years we had to watch how the Ohlauer School was evicted, how the Görli was turned into a high-security park, how the Meuterei and the book store Kisch& Co are fighting to stay in this neighbourhood and how more and more people have to move because they can no longer afford the rents.

What is being built here is not part of our idea of a good life. Coworking spaces, Google, Amazon and start-ups of every stripe make it almost impossible to find self determined spaces in Kreuzberg. Spaces beyond consumerism and wage labor.

We must actively resist the sellout of the city and support those, who, because of their struggles, are targeted by the state and investors.

Last year, several houses and projects were evicted in Berlin and the attacks continue to this day. For Rigaer 94 there is no eviction order, but there is a political campaign to support the owners (whoever that is now). Despite the higly publicised Mietendeckel and repurchase right, this city should first and foremost stay most attractive for any kind of investor. To create a city for the rich, the neighbourhoods are being „cleaned up“ by creating crime focused places, targeting migrants through racial profiling in Neukölln and Kreuzberg and spreading propaganda against all of the attacks against exactly this oppressive system.

We don’t know exactly what they are up to now, but just the announcement to enter the house with the cops and not knowing for certain if and when they will leave again, is reason enough to call for solidarity and activly prepare against this attack.

Even if they don’t evict, don’t stay, don’t install security in the house or actually set it on fire to confirm their own propaganda, we must resist their intrusion.

We stand in solidarity with Rigaer 94 and all projects threatened and affected by repression and call for action.

Let’s not wait for them to come and then think of a reaction. We can prepare their attack on us. We can create a counter-propaganda that clearly shows that we will not simply accept their offensive against us.

Stay informed, be attentive and in solidarity, organize yourselves and your structures. Without resistance they will not get Rigaer 94.

One Struggle One Fight!

 

Anarchist library Kalabal!k


Sep 16 2020

Und wieder kreieren sie eine kriminelle Vereinigung

Die Durchsuchungen heute, die unter anderem unsere anarchistische Bücherei betrafen, sind nichts neues. Diesmal legen die Behörden allerdings zu. Betroffen sind fünf Menschen, die beschuldigt werden 2016 eine besondere, konspirative und kriminelle Vereinigung gegründet zu haben oder darin Mitglied zu sein. Aus diesem Grund ermittelt die Bundesanwaltschaft nach Paragraf 129 und das BKA besuchte die Betroffenen, teils mit gezogenen Knarren, Zuhause.

Es handelt sich hierbei um ein wildes Konstrukt aus herbei phantasierter Gefährlichkeit und anderen abstrusen Ermittlungsverfahren. Im Rahmen eines dieser in der Luft verpufften Verfahren, wurde unsere Bibliothek bereits 2018 schon einmal durchsucht. Damals ging es um Fahndungsaufrufe nach den Verantwortlichen des G20 Gipfels in Hamburg.

Bei den damaligen Durchsuchungen waren die Bullen auf der Suche nach Menschen mit Reggaemützen. Diesmal legten sie bei den Durchsuchungen einen Schwerpunkt auf schwarze Kleidungsstücke, Windjacken und Kapuzenshirts.

Damit die Bundesanwaltschaft Herrin über das Verfahren und das BKA ermitteln durfte, wurden verschiedene, teils eingestellte Verfahren in den Durchsuchungsbeschluss eingefügt, um das Verfahren aufbauschen zu können und weitreichende Befugnisse zu erhalten. Erwähnt sei hierbei das bereits eingestellte Verfahren um den Fahrradkorso 2016 oder die Affäre um die geklauten Streugutkisten in Hamburg.

In ihrem Eifer beschlagnahmte das BKA die vom LKA Berlin zurück gegebene Datenträger von 2018, die sich noch in den verpackten Aservaten-Tüten des LKA‘s befanden. Wir vermuten hierbei Kompetenzstreitigkeiten zwischen Goebel vom LKA Berlin und Dr. Sturm von der Bundesanwaltschaft.

Bei allen Durchsuchungen wurden wie immer, Speichermedien, Computer, Handys, schwarze Kleidung und anderes beschlagnahmt. Interessant hierbei ist das besondere Interesse für die Handys, die noch vor Ende der Durchsuchungen separat zur Auswertung gebracht wurden.

Bei den Durchsuchungen waren die BKA-Bullen teils 7 Stunden in den Wohnungen, fürs Kalabalik reichten 5 Stunden aus. In Athen durchsuchte das BKA 2 Wohnungen in Zusammenarbeit mit den griechischen Anti-Terror Bullen. Dort wurden 5 Personen mit auf die GADA (Hauptwache) genommen. 3 davon sitzen noch und werden wegen Pfefferspray morgen einem Richter vorgeführt.

Berlin ist derzeit nicht die einzige Stadt, die von Repression betroffen ist. Wir gehören  zum anhaltenden Trend der Ermittlungen gegen linksradikale Strukturen  in der BRD. Ob Hamburg, Frankfurt oder Leipzig, nur unsere Solidarität kann stärker sein als ihre Repression.

Es wird einen Aufruf für eine Solidemo am frühen Freitag Abend geben!

Sobald es einen besseren Überblick über dieses Verfahren gibt und neue Informationen vorhanden sind, informieren wir euch. Grüße und Kraft an die Betroffenen!


Apr 22 2020

Buchtipp #4

Normalerweise organisieren wir Veranstaltungen, verleihen Bücher und sind ein Ort für Austausch und Diskussionen. Wir wollen trotz der erzwungenen Pause nicht den Kopf in den Sand stecken und euch darum in nächster Zeit mit einigen Buchvorschlägen versorgen. Aktuell ist es immerhin noch möglich (zumindest in Berlin) sich bei den liebsten Buchläden mit neuem Lesestoff zu versorgen.

Buchläden in Berlin:


Stadt der Rebellion – Omar Robert Hamilton

Stadt der Rebellion von Omar Robert Hamilton ist ein Roman über junge Kämpfer*innen während und nach der Revolution in Ägypten 2011.
Es ist eine Geschichte über den Versuch die eigenen Ideen in einem langwierigen Kampf nicht zu verlieren, in dem sehr schnell die Macht der Straße niedergeschlagen werden soll.
 
Zwei Hauptcharaktere Mariam und Khalid lernen sich in den Gefechten des Tahir Squares kennen. Sie gründen mit Freund*innen das Radio Kairo und sind von den Tagen der Revolution an auf den Beinen und zu allem bereit. Sie diskutieren in jeder freien Minute wie wild über ihr Leben im Ausnahmezustand. Mariam verarztet Verletzte als ungelernte Krankenschwester in den Seitenstraßen des Tahrir. Khalid und seine Freunde machen Interviews mit den Familien der Märtyrer, die in diesen Nächten getötet wurden.
Die Leben der beiden Kämpfenden verändern sich über die Jahre, schrittweise mit jedem neuem Regime. Khalid versucht sich krampfhaft die Szenen der gasumhüllten euporischen Nächte in Erinnerung zu rufen während sich Mariam rastlos in Polit-Arbeit isoliert.

Die Perspektive des Buches springt hin und her und ist geprägt von Tweets, Smartphone Nachrichten und Radiobeiträgen, die auf die persönliche Rekonstruktion des Autors von dieser Zeit hinweisen.
Die Verbindung einer Liebesbeziehung und den Überzeugungen von Menschen, die bereit waren auf dem Tahrir im Alter von 20 Jahren zu sterben, ist mitreißend, ermutigend und traurig zugleich.

„Wir haben sie bekämpft, wir haben ihre Polizeiwachen niedergebrannt, wir haben sie aus unseren Städten verjagt. Sollen sie ruhig noch einmal kommen. Sie haben jetzt Angst vor uns.“

Der Alltag zwischen Steinewerfen, Luft holen, Diskussionen und Propaganda ist teilweise so nachvollziehbar, dass die Ernüchterung über die Entwicklung der Revolution einen zerrüttet und man sich vorwirft, nicht vor Ort gewesen zu sein.

„Was soll man tun, wenn niemand mehr hinschaut?“, fragt Hafez. „Was hat es noch für einen Sinn, Fotos zu machen oder Podcasts zu erstellen, wenn alle schon wissen, was du sagen wirst? Und sie wissen es nicht nur – sie finden es sogar gut.“ „Mariam findet, wir dürfen nicht aufhören.“ „Man muss aber schockieren. Jedes Mal muss schockierender sein als das Mal davor. Was unmöglich ist.“ Wir verfallen in Schweigen. 

Ein Buch, dass all die Zweifel darüber aufwirft, wie es möglich ist weiter zu kämpfen, auch wenn es wohl nie zu jener Veränderung der Verhältnisse kommen wird, die wir uns erträumen. Ein Buch das in eine Bezugsgruppe des Tahrir hinein zoomt, die sich so verbunden anfühlt, dass einem ihre Erlebnisse sehr nahe kommen.

Verlag Klaus Wagenbach Berlin
320 Seiten

#VirusOfControl


Apr 7 2020

Buchtipp #3

Normalerweise organisieren wir Veranstaltungen, verleihen Bücher und sind ein Ort für Austausch und Diskussionen. Wir wollen trotz der erzwungenen Pause nicht den Kopf in den Sand stecken und euch darum in nächster Zeit mit einigen Buchvorschlägen versorgen. Aktuell ist es immerhin noch möglich (zumindest in Berlin) sich bei den liebsten Buchläden mit neuem Lesestoff zu versorgen.

Buchläden in Berlin:


David Foster Wallace – Unendlicher Spass

Dystopisch allemal, ist dieses Buch für all jene die schwarzen und politisch nicht immer korrekten Humor lieben, ein auf etwa 1500 Seiten schier unendlicher Spass.

Episodenhaft befindet sich werte Leser*in in einer zukünftigen USA die sich mit den Nordamerikanischen Ländern in einer ausgeweiteten Allianz befinden und da die Jahre nach jeweiligen Sponsoren benannt werden spielt das Ganze größtenteils im “Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche”.

Räumlich spielt der Großteil der Handlung in Boston. Einerseits in einer Tennis-Elite-Schule wo Schüler*innen sich mit Drogen volldopen und andererseits in einer Entzugsanstalt auf der anderen Seite der Straße. An den jeweiligen Orten befinden sich zwei der Hauptcharaktere, die auf der Suche nach dem Film “Unendlicher Spass” sind, da sie diesen Film zerstören wollen. Denn wer den Film sieht will nix anderes mehr als ihn immer und immer wieder zu schauen. Menschen vergessen sogar zu essen und somit sterben sie. Das bringt auch die Terrorgruppe aus Quebéc auf den Plan. Die A.F.R., „Assassins des Fauteuils Rollents“. Diese zu exzessiver Gewalt fähigen „Rollstuhlattentäter“ wollen diesen Film auch finden, aber um diesen dann im TV-Programm abzuspielen und damit die USA endgültig auszulöschen.

Zusammenfassend will ich darauf hinweisen (Triggerwarnung), dass dem Buch auch eine Menschenverachtung mitsamt absurdester Brutalität zugrunde liegt: “Hal, der leer, aber nicht blöd ist, postuliert insgeheim, dass das, was sich als hippe zynische Tranzendenz des Gefühls ausgibt, in Wahrheit Furcht vor dem echten Menschsein ist, denn ein echter Mensch (zumindest so wie er ihn begreift) ist wahrscheinlich unvermeidlich sentimental, naiv, schmalzanfällig und ganz allgemein erbärmlich, er ist in seinem innersten Inneren lebenslänglich infantil, ein irgendwie nicht ganz richtig aussehendes Kleinkind, das sich anaklitisch über die Karte schleppt, mit großen feuchten Augen, froschweicher Haut, riesigem Schädel und schmalzigem Dummschwätz.” Es ist auch Hal, der eines Tages nach Hause kommt und einen leckeren Bratengeruch wahrnimmt, sich auf ein schönes Abendessen freut um dann aber feststellen zu müssen, dass sich sein Vater mit dem Kopf in der Mikrowelle das Leben nahm….

Letztlich ist es eine Art Annekdotensammlung, zudem bespickt mit interessanten Fremdwörtern, von denen ich zumindest vorher noch nie gehört habe -anaklitisch bspw. ist ein depressives Syndrom, das bei Säuglingen auftritt. Dennoch bleibt alles verständlich, auch wenn das Lexikon nicht zur Hand ist, aber wer neue Wörter lernen möchte, kann hier auch unendlich fündig werden.

Die Seitenanzahl lässt befürchten, dass mensch sich bemühen und dranbleiben solle, aber die episodenhafte Schreibweise macht es wirklich leichthin möglich das Buch jederzeit aus der Hand zu legen und später wieder in die Geschichte einzutauchen.

 

#VirusOfControl


Apr 5 2020

Buchtipp #2

Normalerweise organisieren wir Veranstaltungen, verleihen Bücher und sind ein Ort für Austausch und Diskussionen. Wir wollen trotz der erzwungenen Pause nicht den Kopf in den Sand stecken und euch darum in nächster Zeit mit einigen Buchvorschlägen versorgen. Aktuell ist es immerhin noch möglich (zumindest in Berlin) sich bei den liebsten Buchläden mit neuem Lesestoff zu versorgen.

Buchläden in Berlin:


Woher der Wind weht – Ron Jacobs

Die „Weather Underground“ waren eine militante, linksradikale Gruppierung, die in den 60ern und 70ern in den USA aktiv war. Ursprünglich als „Weatherman“ bekannt, spalteten sie sich 1969 vom Sozialistischen demokratischen Studierendenverband (SDS) ab. Über ein Jahrzehnt lang verübten sie mehrere Anschläge auf Ziele und Verantwortliche der amerikanischen Kriegsmaschinerie in Vietnam, sowie Solidaritätsaktionen für die Black Panther Bewegung.

„You don‘t need a weatherman to know which way the wind blows“, war der Titel eines Positionspapier einiger Menschen innerhalb des SDS, welches das Gründungspapier des späteren Weather Underground dar stellte. Das Ziel war es, eine weiße Widerstandsgruppe aufzubauen, um die schwarze Befreiungsbewegung zu unterstützen. Mit diesem Papier machte Weather deutlich, dass sie dem schwarzen Befreiungskampf eine besondere Rolle im breiteren antikapitalistischen Kampf zurechneten. Nach Weathers Analyse fundierte der amerikanische Kapitalismus und Imperialismus auf der Sklaverei und bestehenden Ausbeutung und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung.

Am 4.12.1969 wurden zwei bedeutende Mitglieder der Panther Bewegung bei einer Hausdurchsuchung erschossen. Dieser Mord, sowie die brutale Repressionserfahrung während der „Tage des Zorns“ im Oktober in Chicago, führte zu dem Entschluss der Weatherman in den Untergrund zu gehen.

Schlagartig gingen über hundert Mitglieder von Weather in den Untergrund und bauten über die nächsten Jahre eine gut vernetzte Struktur auf, um das Leben im Untergrund zu organisieren.

Bis in die siebziger Jahre, attackierten der Weather Underground zahlreiche Strukturen. Im Februar 1970 flogen 3 Molotovcocktails auf das Zuhause des Supreme Court Richter, im Juni wurde das Hauptquartier der New Yorker Polizei Ziel eines Angriffs, 1972 explodierte eine Bombe im Pentagon.

Im Jahre 1977 verübte der Weather underground einen letzten Anschlag, in dessen Nachfolge mehrere Mitglieder verhaftet wurden. Trotz intensiver Bemühungen von Seiten des Staates, erzielte die Justiz weder längere Haftstrafen, noch konnten irgendwelche relevanten Informationen über die noch Gesuchten erlangt werden.

Ron Jacbos zeichnet in seinem Buch „Woher der Wind weht“ die Geschichte des Weather Underground nach. Von ihrer Abspaltung vom SDS bis hin zu den letzten Urteilen, die gegen einzelne Mitglieder gefällt wurden. Er veranschaulicht die Strategiewechsel, welche die Organisation über die Jahre hinweg durchlief und ordnet die Geschichte des Weather Underground ein, in die gesellschaftliche Stimmung und Zusammenhänge während der Black Panther- sowie Anti-Kriegs Bewegung.

 

#VirusOfControl


Apr 2 2020

Buchtipp #1

Normalerweise organisieren wir Veranstaltungen, verleihen Bücher und sind ein Ort für Austausch und Diskussionen. Wir wollen trotz der erzwungenen Pause nicht den Kopf in den Sand stecken und euch darum in nächster Zeit mit einigen Buchvorschlägen versorgen. Aktuell ist es immerhin noch möglich (zumindest in Berlin) sich bei den liebsten Buchläden mit neuem Lesestoff zu versorgen.

Buchläden in Berlin:


Evgenij Samjatin – Wir

„Ich musste viel Unwahrscheinliches über die Zeiten lesen und hören, als die Menschen noch im freien, d.h. im unorganisierten, wilden Zustand waren. Doch als das Unwahrscheinlichste erschien mir immer gerade das: wie konnte die damalige staatliche Regierung – mag sie auch noch im Embryonalzustand gewesen sein – es zulassen, dass die Menschen ohne irgendetwas Ähnliches wie unsere Gebotstafeln lebten, ohne verpflichtende Spaziergänge, ohne genaue Regulierung der Essenszeiten, dass sie aufstanden und sich schlafen legten, wenn es ihnen gerade in den Kopf kam; einige Historiker sagen sogar, es hätten in diesen Zeiten auf den Straßen die ganze Nacht Lichter gebrannt, man sei die ganze Nacht auf den Straßen gegangen und gefahren.“

Tunesien 2020: Überprüfung der Ausgangssperre durch Robocops.

Der dystopische Roman wurde bereits 1920 verfasst und diente als Vorlage für Orwells „1984“ sowie Huxleys „Schöne neue Welt“. Auch wenn dieser Roman als Kritik am sowjetischen Staat konzipiert wurde, lassen sich viele totalitäre Konzepte entdecken, die in der heutigen Zeit auf dem gesamten Globus wiederzufinden sind.

Der Vereinigte Staat ist durch eine Mauer von der wilden Welt abgeschottet, die Häuser sind aus Glas, die Menschen haben keine Namen – sie sind Nummern.

Der Raketenkonstrukteur D-503 führt in seinem Tagebuch durch ein totalitäres Herrschaftssystem, welches auf der unfehlbaren, wahrhaftigen Wissenschaft und Rationalität beruht. Jeder Moment des Tagesablaufs ist vorgegeben, die Arbeit, die Reproduktion und auch die Freizeit, wenn zu musikalischen Klängen aus der Musikfabrik marschiert wird.

Die Beschützer überwachen und bespitzeln die Menschen, die sich nicht als funktionierende Rädchen im Mechanismus abfinden wollen. Jede Abweichung von der mathematisch kalkulierten Norm wird vom Wohltäter drakonisch bestraft. Dabei setzt er neben den Beschützern auf die denunziatorischen Bürger_innen seines Staates. Sie sind seine Augen und Ohren, um alles widerständige im Keim zu ersticken.

Doch eines Tages lernt der staatstreue D-503 Farben, Gefühle und die Freiheit kennen. Sein Arzt diagnostiziert ihm: „Es steht schlecht um Sie! Bei Ihnen hat sich offenbar eine Seele gebildet.“

 

#VirusOfControl


Jan 28 2020

Sonntag 02.02.20 closed -> entsichern.noblogs.org

Am Sonntag bleibt der Laden zu!

Wir sind stattdessen auf dem Entsichern-Kongress mit Büchertisch.


Jan 6 2020

Wiedereröffnung

Liebe Freund_innen, Gefährt_innen und Bücherwürmer_innen,

ihr habt lange drauf gewartet. Nach einer unendlichen Odyssee von Renovierungsarbeiten eröffnet endlich wieder eure anarchistische Lieblings-Bibliothek. Wir wollen die Wiedereröffnung gemeinsam mit euch bei Kaffee und Kuchen am Sonntag den 19.01. ab 13 Uhr feierlich begehen. Natürlich könnt ihr an dem Tag Bücher ausleihen und auch gerne zurückbringen, mit uns quatschen oder einfach nur die neue Inneneinreichtung bewundern.

Ab sofort sind wir auch wieder zu den regulären Öffnungszeiten hier anzutreffen.

Freitags: 14 – 19 Uhr
Sonntags: 15 – 19 Uhr


Apr 10 2019

Programm April & Mai 2019

Sonntag 14. April, 17 Uhr

DELETE – Buchvorstellung und Diskussion

DELETE! Digitalisierte Fremdbestimmung
Das çapulcu redaktionskollektiv untersucht in DELETE! die aktuelle Transformation des Kapitalismus – und damit auch der Machtverhältnisse – durch den technologischen Angriff. Der Einfluss der Tech-Giganten auf die Ökonomisierung der entlegensten Lebensbereiche nimmt stetig zu, während klassische politische Institutionen an Bedeutung verlieren. Soziale Punktesysteme verlängern mit ihrem permanenten ›Rating‹ und ›Scoring‹ die Reichweite der lenkenden Disziplinierung weit über die direkte Ausbeutung im Arbeitsverhältnis hinaus.

Doch mit welchen Methoden und Zukunftsvisionen überformen Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon & Co. unsere Kommunikation und unser Denken? Wie verändern sich angesichts einer zunehmend digitalisierten Fremdbestimmung die Bedingungen für Autonomie und soziale Revolte? Und wie lässt sich die beabsichtigte Vereinzelung und Entsolidarisierung bekämpfen?

Im Zentrum des Buches steht erneut die Selbstbehauptung, also der vielfältige Widerstand gegen den umfassenden technologischen Angriff unserer Zeit. »Dabei fällen wir nicht«, so die Autor*innen, »das lächerliche Urteil, dass Technologie grundsätzlich ›schlecht‹ ist. Aus welcher – ohnehin historisch bedingten – Ethik heraus sollten wir das auch tun? Wir sagen, sie ist Gewalt und sozialer Krieg. Unsere Kritik richtet sich deshalb vielmehr gegen die technologische Aneignung von Lebensprozessen.«


Freitag 10. Mai, 20Uhr

Diskussion: Outlaw – Debattenbeitrag zu offensiven Prozessstrategien

(Im Rahmen des Subversiven Mai)

Anlässlich diverser Dikussionen über den Umgang mit Repression und Prozessstrategien soll mit einer neuen Broschüre weiter dazu angeregt werden, sich mit den Handlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Der theoretische Ausgangspunkt bezüglich dieser Möglichkeiten basiert auf dem Willen zur Offensive gegenüber jeglicher Autorität, die unser Leben bestimmen will. Es geht nicht darum ein bloße Attitüde zu erzwingen, sondern darum die Herrschaftsfeindlichkeit mit einer Glaubwürdigkeit zu bewaffnen, die durch die Kohärenz zwischen unseren Ideen und Taten entsteht. Dieses Bewusstsein bestückt unser Handeln mit einen unwiderruflichen und inspirierenden Wiedererkennungsfaktor.


Dienstag 14. Mai, 19 Uhr

DISKUSSION: Fall of AI – Ein Aufruf zum Kampf gegen „Künstliche Intelligenz“ als Teil der technologischen Herrschaft

Am 15. und 16. Mai findet in Berlin die jährliche Messe „RISE OF AI“ („AUFSTIEG DER KI“) statt, die europaweit größte Messe zu „Künstlicher Intelligenz (KI)“. Neben Firmen, die im Bereich „KI“ forschen und entwickeln, kommen auch Vertreter*innen aus der Politik, die Deutschland zum führenden Entwicklungsstandort für „KI“ machen will. Ein weiterer Anlass den technologischen Angriff gegen die Selbstbestimmung anzugehen, im Konflikt mit den Ideen und Strukturen der vorantreibenden Firmen, Institutionen und ihren heiligen Messen. Wir wollen anhand des Textes „Fall of AI“ über KI, technologische
Herrschaft und Handlungsmöglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben diskutieren.

den Text gibt es hier:
https://de.indymedia.org/node/32270


Donnerstag 16. Mai, 19 Uhr

Klandestinität. Input & Diskussion

Es ist wohl nicht verwunderlich, dass der Staat all jene verfolgt, die ihn bekämpfen oder durch ihre bloße Existenz in Frage stellen. Um uns nicht irgendwann dieser Unterdrückung zu beugen, müssen wir uns den Konsequenzen unseres Handelns bewusst sein.

„Illegalität ist wie ein Tritt in Hundescheisse, es kann allen passieren!“

Ein Leben in Klandestinität war schon immer Teil eines anarchistischen/revolutionären Kampfes, doch wo stehen wir heute?

Wir wollen uns Zeit nehmen um über die verschiedenen Facetten des Untertauchens zu sprechen und Fragen aufzuwerfen, die weit weg scheinen und doch näher gehen als uns lieb ist. Wir wollen Auseinandersetzungen teilen, um mit dem Tabu zu brechen sowie Ängste und Illusionen abzuschütteln, die uns an einem offensiven Umgang hindern.

(Im Rahmen des Subversiven Mai)